Fachgruppe Tiergesundheit und Hygiene

Vorstellung der Fachgruppe Tiergesundheit und Hygiene

Die Fachgruppe Tiergesundheit und Hygiene ist aus der alten Fachgruppe Hygiene hervorgegangen und soll Tiergesundheits- und Tierschutzbelange mit einbeziehen. Sie wird formal von Annett Walpuski (E-/RGD Baden-Württemberg) geleitet, ständige Mitglieder sind neben ihr Anna Stoll (DeLaval), Friederike Reinecke (RP Gießen), Martin Spohr (ehemals EGD Baden-Württemberg), Regina Strie (Boehringer Ingelheim), Theresa Scheu (Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle ), Sonja Bäßler (EGD Baden-Württemberg) und Ute Müller (Uni Bonn).

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Themenbereiche bearbeitet:

Melkzeugzwischendesinfektion (MZZD)

Zur Vermeidung der Übertragung Kuh-assoziierter Mastitiserreger während des Melkens wurden die Rahmenbedingungen für eine funktionstüchtige MZZD erarbeitet und überprüft. Peressigsäure (PES) als Desinfektionskomponente hat sich als am wirksamsten erwiesen. Konzentrations- und Einwirkzeit-Kombinationen wurden geprüft mit dem Ergebnis, dass für eine ausreichend sichere MZZD in Melkständen eine Einwirkzeit von einer Minute bei einer PES-Konzentration von 800 – 1000ppm erforderlich ist. Zur Desinfektion von Zitzenreinigungsbürsten in Automatischen Melksystemen sind wegen der längeren Einwirkdauer nur Konzentrationen von mehr als 400 ppm erforderlich. Die Prüfung der PES-Konzentration erfolgte chemisch via Titration sowie zusätzlich mit verschiedenen handelsüblichen Teststreifen. In einem Halbeuterversuch konnte die Wirksamkeit der MZZD zur Reduzierung der Übertragung von Staphylococcus (S.) aureus nachgewiesen werden.

Zitzendesinfektion nach dem Melken

Der Markt für Zitzenpflege- und –desinfektionsmittel ist sehr umfangreich. Um die Wirkung solcher Produkte einschätzen zu können, wurde mit Hilfe von Tupfern die Besiedlung des Zitzenkanals (Strichkanals) von Milchkühen bestimmt und daraus die Desinfektionsleistung der Zitzenbäder – und sprays abgeleitet. Für eine sichere Desinfektionsleistung, die in Herden mit Kuh-assoziierten Mastitiserregern erforderlich ist, sind Desinfektionslösungen auf der Basis von Chlor-, Jod- oder PES-Komponenten erforderlich. Milchsäurehaltige Produkte verhindern zwar ebenfalls die Strichkanalbesiedlung, Praxiserfahrungen haben aber gezeigt, dass S.aureus-Einbrüche nicht vermieden werden können. Wenn Desinfektionsmittel-haltige Dippmittel eingesetzt werden, ist die Verabreichung des Produktes (Tauchen oder Sprühen) für die Wirkung nur von untergeordneter Bedeutung. Die Effizienz beim Tauchen ist zwar nur geringfügig dennoch statistisch signifikant besser.

Reinigung und Desinfektion von Melkanlagen

In zahlreichen Vorträgen und Workshops wurde die Prüfung des Reinigungsverfahrens bei Melk- und Tankanlagen vorgestellt und geübt. Neben der Temperaturerfassung wurde vor allem die chemische Analyse der Reinigungslösung vorgestellt. Methoden zur Bestimmung des Keimeintrages in die Melkanlage, wie Stufenkontrollen, ATP (Adenosintriphosphat)-Messung oder Hygienetupfer, sowie geeignete Messpunkte wurden vorgestellt und kritisch bewertet.

Zitzenreinigung

Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen spielen eine wichtige Rolle in der Tierhaltung. So wurde die Bedeutung der Zitzenreinigung vor dem Melken hinsichtlich der Wirkung am Tier untersucht sowie geeignete Methoden zur Regeneration von Eutertüchern ermittelt. Mittel zur desinfizierenden Feuchtreinigung der Zitzen werden heute als zugelassene bzw. registrierte Biozide vermarktet.

Keimgehalt der Anlieferungsmilch bei Automatischen Melksystemen (AMS)

AMS sind mittlerweile aus Milcherzeuger-Betrieben nicht mehr wegzudenken. Für die Ursachenforschung bei erhöhten Keimzahlen in der Sammelmilch sind die für Melkstände gebräuchlichen Methoden nicht immer geeignet, da bei automatischen Melksystemen nur wenige Zugangsmöglichkeiten für die Entnahme von Proben oder für die Durchführung von Kontrollmessungen vorhanden sind. Mit modifizierten „Tri-Clamps“ (speziellen Klemmverbindungen für Rohrleitungen) wurde zunächst die technische Möglichkeit entwickelt, um während des normalen Melkbetriebes Milchproben für eine Stufenkontrolle gewinnen zu können. Es zeigte sich, dass für eine aussagekräftige Untersuchung deutlich mehr Proben erforderlich sind, als dies bei der Untersuchung in Melkständen der Fall ist. Die Probenahme-Häufigkeit und die Darstellung der Keimzahl-Ergebnisse wurden an die Ansprüche der Verhältnisse in AMS-Betrieben angepasst. Als Besonderheit stellte sich heraus, dass über die Milch klinisch euterkranker Kühe, nicht nur der Gehalt somatischer Zellen, sondern auch der Keimgehalt der Sammelmilch deutlich ansteigen kann. Vor allem, wenn die Keim- und Zellgehalte der Tankmilch positiv korreliert sind, besteht die Möglichkeit, dass euterkranke Kühe die Ursache für erhöhte Keimgehalte in der Tankmilch sein können.

Allgemeine Hygienethemen

Für die Reinigung und Desinfektion von Kälber-Iglus wurde eine Arbeitsanweisung verfasst.

 

Als weitere Themenschwerpunkte sollen in Zukunft die hygienische Bewertung von Einstreu und die Beurteilung von Zitzenreinigungsmaßnahmen bearbeitet werden.

Ansprechpartner

Annett Walpuski  (Fachgruppenleitung)
E-Mail: A.Walpuski@tsk-bw-tgd.de

Teilnehmerliste:

Anna Stoll                                Theresa Scheu

Friederike Reinecke                Sonja Bäßler

Martin Spohr                            Ute Müller

Regina Strie

Beiträge der Fachgruppe

Downloads der Fachgruppe

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Melkzeugzwischendesinfektion mit Peressigsäureprodukten

AG-Hygiene, Mai 2014

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Anleitung zur Feststellung der chemischen Wirksamkeit der Gebrauchslösung
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Checkliste für die Beratung zur Sicherung der Eutergesundheit und Milchqualität in AMS

AG Hygiene - (I. Model, Dr. F. Reinecke) Stand 22.04.2012

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Berechnung des Fremdwasseranteils in der Ablieferungsmilch

aus Töpel: Chemie und Physik der Milch- Naturstoff .Rohstoff .Lebensmittel 3. Auflage 2004

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Feststellung und Beseitigung der verschiedenen Ablagerungen in Melkanlagen und Milchlagerbehältern