Rückblick auf die WGM Jahrestagung 2017

WGM-Jahrestagung 2017 – Die Anforderungen der Gesellschaft beachten 

 

In diesem Jahr tagte die WGM vom 9. bis zum 11.Oktober im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick, einer Einrichtung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Wie gewohnt startete die Tagung mit dem Selbstzahlerabend gemütlich „Op de Dääl“. Hier zeigten dann schon die unterschiedlichen Vorstellungen von der geeigneten Bierglasgröße, dass die Teilnehmer wieder aus ganz vielen Regionen angereist waren.

Am darauffolgenden Morgen versammelten sich die WGM-Mitglieder und auch interessierte (noch) Nicht-Mitglieder, um die Berichte des WGM-Vorstandes, des Beiratssprechers und der Schatzmeisterin zu hören. Insbesondere im Bereich der Finanzen wurden einige Änderungen von Frau Steffi Geidel umfassend erläutert. Da Martin Kühberger aufgrund dienstlicher Veränderungen seine Funktion als stellvertretender WGM-Vorsitzender niederlegen musste, kam es zu einer Neuwahl. Frau Friederike Reinecke (Regierungspräsidium Gießen) wurde als neues Vorstandsmitglied gewählt. Seit vielen Jahren arbeitet Frau Reinecke aktiv im WGM-Beirat und gestaltete schon zahlreiche Seminare für die WGM. Als neuer Kassenprüfer wurde nach dem Ausscheiden von Monika Brandt (LKV Schleswig-Holstein) Lutz Dassler (Berufsakademie Sachsen) von der Versammlung gewählt.

In ihrem Bericht des WGM-Vorstandes würdigte Kerstin Barth das große Engagement von zwei WGM-Mitgliedern, die leider viel zu früh verstorben sind:

Wilfried Wolter (Regierungspräsidium Gießen) war dafür bekannt, dass er veterinärmedizinische Erfordernisse mit dem bäuerlichen Pragmatismus verbinden konnte. Seine Seminare zum verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika stießen stets auf großes Interesse. Im Februar 2017 ist Wilfried Wolter verstorben. 

Und die WGM trauert um ihr Gründungsmitglied Bernhard Schulze Wartenhorst (GEA), der im März 2017 überraschend verstorben ist. Bernhard Schulze Wartenhorst war aktives Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der WGM, die Vermittlung melktechnischen Wissens lag ihm am Herzen und sein Interesse am Melken anderer Tierarten hat der WGM informative Seminare ermöglicht. Um Bernhard Schulze Wartenhorst postum zu ehren, widmete die WGM ihm die diesjährige Tagung.

Bernhard Schulze Wartenhorst im Dialog während eines Betriebsbesuches durch den WGM-Beirat (Foto: T. Kälber)

Wie immer bot die Mitgliederversammlung auch schon Fachvorträge. In diesem Jahr machte Christina Umstätter (Agroscope, CH) auf die Stressbeanspruchung von Landwirten aufmerksam und wies darauf hin, die Arbeitsorganisation zu nutzen, um diesen Beanspruchungen entgegenzutreten.

Seit zwei Jahren beteiligt sich die WGM am eip-Projekt „InnoMelk“. Unter anderem wurde eine Befragung von Melktechnik-Beratern unterstützt, deren Ergebnisse von Angelika Häußermann (CAU Kiel) nun erstmals vorgestellt wurden.

Die eigentliche Tagung begann dann am Nachmittag. Der Leiter des Geschäftsbereichs Tierhaltung und Tiergesundheit der LWK NRW, Dr. Friedhelm Adam, begrüßte die Teilnehmer der Tagung, die zum ersten Mal auf Haus Riswick stattfand und bat darum, bis zum nächsten Besuch nicht ganz so lange zu warten. 

 

Die Reihe der Fachvorträge wurde von Morten Dam Rasmussen (Universität Aarhus, DK) eröffnet. Der international renommierte Fachmann für Melktechnik erläuterte die Grundlagen zur Vakuummessung während des Melkens als Indikator für das Zusammenspiel von Zitzengummi und Zitze. 

Morten Dam Rasmussen aus Dänemark refe-rierte zur Vakuummessung beim Melken.

Inwieweit man die Keime in der Tankmilch differenzieren kann und diese Information auch als Beratungsinstrument nutzbar ist, erklärte Ulrike Sorge vom TGD Bayern.

Mit dem Beitrag von Martin Pries (LWK NRW) wendete sich die Tagung ihrem diesjährigen Schwerpunkt zu: Was wünscht sich die Gesellschaft, der Verbraucher und die aufnehmende Hand von den Milcherzeugern? Martin Pries zeigte dies anhand der inzwischen von vielen Molkereien gewünschten GVO-freien Fütterung der Milchtiere.

Die Wege auf Haus Riswick waren kurz, so dass nach einer kurzen Kaffeepause die Teilnehmer zügig die Seminarräume erreichten. In diesem Jahr konnte aus zwölf Seminaren gewählt werden.

Das neue Vorstandsmitglied Friederike Reinecke (Regierungspräsidium Gießen) erläutert die Anforderungen beim Aufstellen von Rohmilchausgabeautomaten auf Erzeugerbetrieben.

Von der Lüftung, der Suche nach der Ursache von Keimzahlerhöhungen über die Mitarbeitermotivation bis zum Umgang mit Rindern war wieder Vieles dabei. Das neue WGM-Handbuch zum Messen nach DIN ISO in automatischen Melksystemen wurde vorgestellt, Möglichkeiten des Eutergesundheitsmonitorings aufgezeigt und die Energieeffizienz in der Milcherzeugung betrachtet. Der optimale Platz für die Kalbung wurde vorgestellt und auch der Kälberaufzucht widmete sich wieder ein Seminar. Passend zum Standort gab es auch Informationen zur Futterkonservierung und der Weidenutzung. Nach den Seminaren gab ein Rundgang über den Betrieb Gelegenheit, die Versuchsbedingungen und bearbeiteten Fragestellungen näher  kennenzulernen, bevor die Busse zur Abendveranstaltung nach Emmerich abfuhren.

Am Mittwoch ging es um die Konsumenten und den LEH. Inken Christoph-Schulz vom Thünen-Institut für Marktanalyse zeigte in ihrem Vortrag, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung der Milchviehhaltung sich zwischen „Almidyll und Industrieanlage“ bewegt und dass auch wir als Berater und Wissenschaftler darauf achten müssen, welche Eindrücke unsere Beiträge bei Fachfremden hinterlassen. 

Die Sicht der aufnehmenden Hand auf die zukünftigen Anforderungen an die Milcherzeuger legte Heinz Schweer, Direktor Landwirtschaft bei Vion, dar. Er wies deutlich darauf hin, dass der LEH die gesellschaftliche Diskussion erheblich mit bestimmt und seine Forderungen deutliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben.

Heinz Schweer (Vion) zeigte die Forderungen des LEH an die Landwirtschaft auf.

Wie man mit solchen bestehenden Erwartungen umgehen kann, zeigte Jendrik Holthusen vom Grünlandzentrum Niedersachsen. Mit der „Norddeutschen Weidecharta“ soll die Weidehaltung, die so typisch für Norddeutschland war und zunehmend zugunsten der Stallhaltung aufgegeben wurde, wieder gefördert werden. Um dies auch glaubwürdig für die Verbraucher umzusetzen, hat das PRO WEIDELAND-Label bestimmte Kriterien festgelegt.  In Zukunft soll möglicherweise nicht nur die Weidemilch sondern auch die Fleischerzeugung vom Grünland belabelt werden.

Anne Verhoeven (LWK NRW) präsentiert die Kurzrasenweide und erläutert den Einsatz des Herbometers.

In den sich anschließenden Seminaren konnten dann u. a. auch gleich neue Erkenntnisse zur Weidehaltung, aber auch zur Rohmilchabgabe ab Hof gewonnenen werden.

Auch wenn die Anreise für einige Teilnehmer sehr lang war und dank des Orkantiefs „Xavier“ den Bahnfahrern einige Flexibilität abverlangte, war die Tagung auf Haus Riswick ein voller Erfolg – die WGM bedankt sich noch einmal ganz herzlich bei den Gastgebern! 

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren standen der Tagungsort und der Termin für die Jahrestagung 2018 in diesem Jahr noch nicht fest – er wird frühzeitig auf der WGM homepage bekanntgegeben.

Einige Impressionen:

Die Beiträge des Tagungsbandes finden die WGM-Mitglieder unter www.wgmev.de.

Auf der ausgegebenen Teilnehmerliste finden sich auch die Kontaktdaten der Vortragenden. 

Fotos: Wenn nicht gesondert gekennzeichnet: K. Barth

November, 2017